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31. Oktober 2020
Virtueller Aktionstag "Leben mit Parkinson"

Vorträge von fünf renommierten Parkinson-Experten mit wichtige Themen zur Diagnose und Behandlung des Parkinson in verschiedenen Stadien.

Über die Veranstaltung

  • Internet
  • 31.10.2020
  • 10:00 - ca. 17:00 Uhr

Leben mit Parkinson

Der Aktionstag hat Patienten und ihren Familien die Möglichkeit geboten, online von zuhause die Vorträge von fünf renommierten Parkinson-Experten zu hören. Dabei wurden wichtige Themen zur Diagnose und Behandlung des Parkinson in verschiedenen Stadien angesprochen. Die einzelnen Vorträge finden Sie hier als Video oder in einer Zusammenfassung. Zusätzlich können Sie Ihre persönlichen Fragen stellen und erhalten von den Experten eine Antwort.

Themen des Aktionstages

Nicht-motorische Symptome

des M. Parkinson

Dr. med. Robert Liszka

In diesem Vortrag werden die oft weniger bekannten Symptome vorgestellt, die nicht immer auf den ersten Blick sichtbar sind. Etwa Schlafstörungen, beeinträchtigte Verdauung, Ängste oder Einschränkungen im Alltag.

Differentialdiagnose atypischer

Parkinson-Syndrome

Prof. Dr. med. Johannes Wöhrle

Es gibt nicht nur die “klassische Parkinsonerkrankung”, sondern eine Reihe von Syndromen mit unterschiedlicher Ausprägung. Auch die Ursachen können verschieden sein, ebenso Schwergrad und Verlauf.

Differentialdiagnose atypischer
Parkinson-Medikamente

Interaktion zwischen anderen 

Medikamenten und

der Parkinson-Medikation

Prof. Dr. med. Matthias Maschke

Die “richtige Einnahme” der Parkinson-Medikamente zum exakten Zeitpunkt mit Ess-Abstand ist wichtig für den Erfolg der Behandlung. Aber wie wirken sich andere Medikamente aus, die Sie ebenfalls einnehmen?

Woran erkenne ich einen

fortgeschrittenen Parkinson

Dr. med. Thomas Vaterrodt

Ärzte und Patienten haben in einem umfangreichen Prozess die Merkmale einer fortgeschrittenen Parkinson-Erkrankung definiert. In diesem Vortrag werden die wichtigsten Symptome vorgestellt.

Behandlung von

fortgeschrittenem Parkinson

Prof. Dr. med. Sergiu Groppa

Welche Behandlungsmethoden stehen heute zur Verfügung, wenn die Parkinson-Erkrankung ein fortgeschrittenes Stadium erreicht? Und was gibt es bei den einzelnen Verfahren zu beachten?

Referenten

Unser Dank gilt den Ärzten, die Ihr Wissen und Ihre Erfahrung in der Behandlung des M. Parkinson immer wieder in Vorträgen, Seminaren oder online im Webinar in unsere Selbsthilfearbeit einbringen.

Prof. Dr. med.Sergiu Groppa
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Prof. Dr. med.Sergiu Groppa

Leiter der Sektion Bewegungsstörungen und Neurostimulation

Klinik und Poliklinik für Neurologie Universitätsmedizin Mainz

Dr. med. Robert Liszka
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Dr. med. Robert Liszka

Chefarzt Neurologie, Geriatrie, Palliativmedizin, Notfallmedizin

Marienhauskliniken St. Wendel

Prof. Dr. med. Matthias Maschke
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Prof. Dr. med. Matthias Maschke

Chefarzt Neurologie, Neurophysiologie und neurologische Frührehabilitation Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Trier

Dr. med. Thomas Vaterrodt
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Dr. med. Thomas Vaterrodt

Chefarzt der Neurologischen Klinik Sonnenberg in Saarbrücken

Prof. Dr. med. Johannes Wöhrle
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Prof. Dr. med. Johannes Wöhrle

Chefarzt Neurologie und Stroke Unit

Katholisches Klinikum Koblenz Montabaur Koblenz

Fragen & Antworten

Parkinson und Antibiotika

Zwischen Parkinsonmedikamenten und Antibiotika kann es Wechselwirkungen geben, die gegenseitig die Wirksamkeit beeinflussen oder auch zu spezifischen Nebenwirkungen führen können. Dies gilt nicht für alle Parkinsonmedikamente und nicht für alle Antibiotika.

Wenn auf Grund eines bakteriellen Infektes die Verwendung von Antibiotika erforderlich wird, sollten Sie unbedingt den behandelnden Arzt über Ihre Parkinsonmedikation informieren.

Wie lange dauert es, bis nach einer THS Implantation die Therapie zu wirken beginnt?

In der Regel wird das THS-System erst aktiviert, wenn der Patient sich von der Operation erholt hat. Nach der Aktivierung tritt unter Umständen bereits eine Linderung der störenden Symptome ein.

Optimale Ergebnisse werden normalerweise aber erst nach mehreren Programmiersitzungen mit einem Arzt oder einer Pflegekraft erzielt.

Welche nicht-motorischen Symptome sind für Parkinson-Patienten besonders belastend?

Unter nicht-motorischen Störungen versteht man eine Vielzahl von Parkinsonbeschwerden, die nicht die Beweglichkeit betreffen.

Hierzu gehören u.a.: Schmerzen, Depressionen, Interessenverlust, Tagesmüdigkeit, Einschlafattacken, Schlafstörungen, Halluzinationen, Aufmerksamkeits- und Gedächtnisstörungen, Störungen der Blutdruckregulation (orthostatische Dysregulation) mit Schwindel und Stürzen, Geruchs- und Geschmacksstörungen, Übelkeit, Völlegefühl, Verstopfungen, Blasen- und Sexualfunktionsstörungen, geschwollene Beine, Schluckstörungen, Gewichtszu- oder abnahmen, vermehrtes Schwitzen, erhöhter Speichelfluß, Verhaltensauffälligkeiten (Impulskontrollstörungen).

Die Zuordnung, welches dieser Symptome den Patienten am meisten belastet, ist individuell verschieden. Am häufigsten angegeben werden: Harndrang, Verstopfung, Tagesmüdigkeit, Interessenverlust und Schmerzen.

Handelt es sich bei einer THS um eine Therapie, die kein ganzes Leben lang unverändert im Körper bleibt?

Die THS-Therapie ist einstellbar, die Stimulation kann im Laufe der Zeit so angepasst werden, dass die Kontrolle über die Symptome eines Patienten erhalten bleibt.

Nach einer gewissen Zeit muss außerdem bei einigen Schrittmachern der Akku ausgetauscht werden.

Auf welche Weise wirkt Rasagilin gegen Parkinson, hat das Medikament Nebenwirkungen – wenn ja welche?

Rasagilin ist ein Wirkstoff aus der Gruppe der selektiven MAO-B-Hemmer und verhindert den Abbau des Botenstoffs Dopamin. Dadurch steht dem Gehirn mehr Dopamin zur Verfügung, um eine bessere Beweglichkeit zu erzielen.

Es kann im Anfangsstadium der Erkrankung als Monotherapie und im weiteren Verlauf in Kombination mit Levodopa verabreicht werden.

Zu den häufigsten möglichen unerwünschten Nebenwirkungen gehören Kopfschmerzen, grippeähnliche Symptome, Depression, Gelenkschmerzen und Sodbrennen.

Bei der Anwendung müssen die zahlreichen möglichen Arzneimittel-Wechselwirkungen beachtet werden. Hier sollte jedes neu verordnete Medikament mit dem Haus- oder Facharzt abgesprochen werden.

Rasagalin darf u.a. nicht gleichzeitig mit anderen MAO-Hemmern, Pethidin (Schmerzmittel), Fluoxetin und Fluvoxamin oder Johanniskraut (Antidepressiva) eingenommen werden. Auch ist die Einnahme bei eingeschränkter Leberfunktion untersagt.

Hilft CBD-Öl wirklich bei Parkinson. Wenn ja, wie?

Einige Parkinsonsymptome könnten auf CBD-Öl ansprechen. Dies sind vorrangig nicht motorischer Art (z.B. Depression, Ängstlichkeit, Schmerz, Halluzination, vermehrter Speichelfluss).

Umfangreiche Studien liegen hierzu bisher jedoch noch nicht vor. Deshalb ist es dringend zu raten eine solche Therapie mit dem Arzt abzustimmen der die entsprechende Dosierung vom Apotheker zubereiten zu lassen.

Eine Verschreibungsfähigkeit steht zum aktuellen Zeitpunkt noch aus.

Ich vertrage keine Parkinson-Medikamente (d.h. Madopar etc.) da ich eine massive Überreaktion im Fuss habe. Ohne Medikamente habe ich aber einen massiven Rigor, d.h. versteife und diverse andere Symptome. Wäre in so einem Fall Cannabis eine Option?

Die Verwendung von Medicinal cannabis ist nur zugelassen wenn andere Therapien ausgereizt oder nicht vertragen werden.

Bei schmerzhaften Dystonien hat sich die Verordnung von THC dominanten Zubereitungen in einigen Fällen als sinnvoll erwiesen. Eine Beantragung bei der Krankenkasse und die Verordnung durch den Arzt auf BTM-Rezept ist allerdings Voraussetzung.t

Kann die Fachwelt schon ein erstes Resümee, insbesondere in den fortgeschrittenen Stadien der Parkinson-Erkrankung ziehen (Cannabis = überwiegend Behandlungserfolg/-misserfolg).

Es gibt zunehmend mehr und bessere Studien die eine Wirksamkeit von Medicinal Cannabis bei Parkinson belegen.

Für eine grundsätzliche therapeutische Empfehlung ist es aber noch zu früh. Zulassungsstudien, wie für die bekannten Parkinsonmedikamente, fehlen bisher.

Falls die Behandlung mit Cannabis nicht anschlägt, nicht vertragen wird etc., ist ein Ausschleichen von Cannabis mit erheblichen Problemen/Risiken für den Patienten verbunden? Könnte es passieren, dass der Patient dann nicht mehr so gut auf Parkinson-Medikamente anspricht, die vor der Cannabis-Medikation noch relativ gut gewirkt haben? Gibt es hierzu schon Erfahrungswerte?

Medicinal Cannabis wird langsam eindosiert und sollte auch genauso langsam wieder ausgeschlichen werden.

Bei diesem Vorgehen sind erhebliche Probleme nicht zu befürchten.

Eine Wirkungsverschlechterung der Parkinsonmedikamente ist nach aktuellem Kenntnisstand nicht beschrieben.

Gehört Cannabis bei Morbus Parkinson in Zukunft zu den Therapieoptionen?

Medicinal Cannabis ist keine „Wunder“ Behandlungsoption. Wir haben aber bei Parkinsonpatienten durch den zusätzlichen Einsatz von Medicinal Cannabis gute Erfolge erzielen können.

Langfristig sind von dem breiten Wirkstoffspektrum der Cannabispflanze weitere Therapieansätze zu erwarten. Studien hierzu sind jedoch erst in Vorbereitung.